Ilger & Zothe (Österreich-Ungarn humorist. Karte)

137 - Euro 2.000,-

137 Österreich-Ungarn in der Kikeriki-Projektion - Humoristisch-politische Land- u. Seekarte von Österreich-Ungarn
Kikeriki-Verlag, Wien (Hg. Franz Gabriel Ilger). Entwurf F. G. Ilger (Text) und Fridolin Zothe (Zeichnung), Österreich 1904.
Druck Johann N. Vernay, Wien. Blattgröße ca. 47,8 x 63,5 cm.
Gefaltet, verso oben links im bedruckten OrUmschlag (leichter Karton, auf ca. 17 x 11,3 cm gefalzt) montiert, dort kleiner Randeinriss, Faltstellen partiell leicht knittrig.
Code 24137

Text linke Seite

PROLOG.
Mein Vaterland, mein Österreich,
Dir gleicht kein Land auf Erden!
In keinem Land der Welt mag wohl
So viel — gestritten werden,
D’rum sieht man hier im Kartenbild
Im lieblichen Vereine,
Die österreich'sehe Rauferei
Die allzu all — gemeine!

Böhmen.
Böhmen ist ein schönes Land,
Reich an Klarinetten,
Selbst der Völkerfriede ging
Hier schon lange flöten.
Bramburi gibt's überviel,
Die werden abgeschmalzen,
Salz fehlt nur, doch Deutscher und
Tschech sich selber salzen.

Bukowina
Von Buchenwäldern kommt der Nam',
Die sind jetzt verschwunden,
An ihrer Stelle werden heut’
Juden dort gefunden.
Über alle andern herrscht
Hier das Volk der Köhner,
In Galizien ist es schön.
Hier ist’s fast noch schöner.

Dalmatien.
Als das Hauptprodukt des Lands
Mag der Wein erscheinen,
Übrigens ist manches hier
Sonst auch noch zu — weinen.
Ferner findet man allhier
Treffliche Matrosen,
Katzelmachern klopften sie
Trefflich aus die Hosen.

Galizien.
Und voll Schlachta und voll Schnaps!
Hier ist nichts zu holen,
Die Erde dreht sich um den Pol,
öst’reich um die — Polen.
Die Ruthenen zählen nicht,
Dürfen aber zahlen,
Und den Rebbach macht der Jud’
Hoch geschätzt von allen!

Kärnten.
Kärnten war seit jeher schon Reich an Kärntnerliedern,
Bieder ist sein Volk, drum will
Mancher sich anbiedern.
Die Slovenen, die sind zwar
Nachbarliche Plagen,
Doch in Klagenfurt braucht d’rum
Niemand „furt zu klagen“.

Krain.
Hier ist ja das Hauptgebiet
Des Volkes der Slovenen,
Die ein Groß-Slovenien
Und manch and’res wähnen.
Eine deutsche Insel sind
Dorten die Gotscheer,
Wie man wohl in Wien bemerkt,
Steh’n uns die viel — näher.

Küstenland.
Die Italianissimi
Die Austria verehren,
Und verehren ihr sogar
Öfters Bomb — onnieren.
Irredenta schneidet wohl
Die polit'sche Fratze,
Doch des Katzelmachers Müh’n
Bleibt halt für die — Katze!

Mähren.
Wie in Böhmen gibt es hier
Nationalitäten,
Die 'ne Univeraität
Gerne haben täten.
Der Erzbischof ist nicht zu Haus,
Der ist in Rom in Nöten,
Sein Stammgenosse Stransky mag
Ihn derweil vertreten!

Niederösterreich.
Wo ein Jud' auf Erden wohnt,
Hört man ihn beklagen,
Was in Niederösterreich
Sich hat zugetragen.
Wird der Jude einmal - Wild,
Kennt er auch den Jäger,
Doch vir rufen ihm wohl zu:
Waidmanns Heil, Lueger!

Text rechte Seite

Oberösterreich.
„Linzerische Buben“ trifft
Man an allen Orten,
Gleichfalls sind aach sehr beliebt
Stets die Linzer Torten.
Nicht geglückt ist es bis jetzt,
Daß der Jud’ veredel’
Dieses Volk, denn allzuhart
Ist dafür der Mostschädel.

Salzburg.
Der Natur beliebt es zwar
Reich dies Land zu segnen,
Leider läßt sie aber auch
Jeden Tag hier regnen.
Eine Universität
Möchte gut her passen,
Der Herr Professor aber würd'
Den Schirm stets stehen lassen.

Schlesien.
Des Prießnitz Umschlags Vaterland!
Und in unsern Tagen
Pflegen Deutscher, Tschech und Pol'
Hier auch umzuschlagen.
Ist das Ländchen auch zu klein,
Um Hochschul'n sich zu streiten,
Kann schon ein Gymnasium
Denselben Dienst bereiten.

Steiermark.
Derschatta sieht man eifrig hier
Das deutsche Volk bewachen,
Möcht’ er nach Pensionopolis
Doch dauernd auf sich machen!
Denn was er bricht fürs deutsche Volk
Sind wahrlich keine Lanzen,
Die’ lustigen Steirer wohl auf ihn
Pfeifen, jodeln, tanzen.

Tirol.
Wälscher, werd' nicht rabiat!
Denn ansonsten kriegst es!
Kommt der Sixt mit seiner Faust,
Gibt es Schläg’, dann siehst es!
Müßtest weich und mürb’ geklopft
Dich dann wohl erweichen,
Und der Butter in der Sonn'
Auf ein Härchen gleichen.

Ungarn.
Menschen gibt’s hier allerlei
Und auch Israeliten,
Ungarischer Globus steht
Herrlich in der Mitten.
Kossuth spielt Primviolin
Zur Freud' der Magyarone,
Sehwob, Slowak und Rumän'
Hören s’ nicht mit Wonne.

Siebenbürgen.
Jeder sieht wie anderswo
Hier auf seinen Säckel,
Und dem Szekler kämen sie
Gerne mit dem Schekel.
Doch er wahrt sich mit Bedacht
Seine lieben Maxen,
Und lacht voller Ruhe aus
Rumänen und auch Sachsen.

Kroatien-Slavonien.
Die Einigkeit des Slavenvolks
Ging hier längst in Scherben,
Stammverwandt, bekämpfet doch
Der Kroat den Serben.
Ungarn aber will im Land
Herrschen über alle,
Nach dem alten Grundsatz, der
Heißt „Krowot bezahle“.

Bosnien.
Bosnien ward einverleibt,
Daß es öst’reich mehre.
Reichsland wird es gar genannt,
Als ob’s ein reich’s Land wäre.
Aber ohne Zweifel kommt's
Der Kultur schon näher,
Zum Beweise findet man
Hier bereits Hebräer.

EPILOG.
Wie lange bleibt es wohl noch so?
Wie lange soll das gehen?
Verständigung der Völker — ja
Wenn sie sich nicht verstehen,
Dann werden außer Sprachen sie
Noch anderes lernen müssen!
Der „Kikeriki“ schließt mit dem Wunsch’,
Daß Frieden alle schliessen!